Liebe Kolleginnen und Kollegen, liebe Mitglieder der Deutschen Polizeigewerkschaft Sachsen,
das Jahr 2025 liegt hinter uns und während wir auf die vergangenen zwölf Monate zurückblicken, tun wir dies mit gemischten
Gefühlen. Es war ein Jahr voller Herausforderungen, das unseren Berufsstand erneut auf eine harte Probe gestellt hat. Gleichzeitig war es aber auch ein Jahr, in dem unsere Gewerkschaft wichtige Akzente setzte.
Zum Jahreswechsel möchte ich euch allen im Namen des gesamten Landesvorstandes ein gesundes, erfolgreiches und vor allem sicheres neues Jahr 2026 wünschen. Möge dieses Jahr uns allen die Kraft geben, die wir für einen anspruchsvollen Dienst benötigen,und möge es uns die Anerkennung bringen, die wir als Polizistinnen und Polizisten verdienen.
Rückblick auf ein herausforderndes Jahr 2025
Das vergangene Jahr führte deutlich vor Augen, mit welchen Belastungen unsere Kolleginnen und Kollegen täglich konfrontiert sind.
Die Einsatzlagen in Sachsen waren vielfältig und komplex: Von der Bekämpfung der organisierten Kriminalität über den Umgang mit politischen Großveranstaltungen bis hin zur alltäglichen Gewalt gegen Polizeikräfte – die sächsische Polizei stand an vielen Fronten.
Besonders besorgniserregend bleibt die anhaltende Gewalt gegen Polizeibeamtinnen und Polizeibeamte. Jeder Angriff auf eine Kollegin oder einen Kollegen ist ein Angriff auf den Rechtsstaat. Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Zu viele Polizeibeschäftigte wurden im Dienst verletzt, bedroht oder in ihrer Würde angegriffen.
Dies ist und bleibt für uns als Gewerkschaft völlig inakzeptabel.
Hinzu kommen die strukturellen Herausforderungen, mit denen wir seit Jahren ringen: Personalmangel, Überstunden, die sich zu Bergen auftürmen, veraltete Ausrüstung und eine digitale Ausstattung, die oft nicht dem entspricht, was wir für eine moderne Polizeiarbeit benötigen. Diese Missstände belasten nicht nur den einzelnen Beamten, sondern gefährden langfristig die Sicherheit in unserem Freistaat.
Unsere gewerkschaftliche Arbeit 2025
Trotz aller Widrigkeiten können wir als Deutsche Polizeigewerkschaft Sachsen auf ein arbeitsreiches und erfolgreiches Jahr zurückblicken.
Wir haben die Stimme dort erhoben, wo es notwendig war, konstruktive Vorschläge zu unterbreiten. In zahlreichen Gesprächen mit Vertretern der Landesregierung, des Innenministeriums und den politischen Parteien machten wir unsere Forderungen deutlich. Wir wiesen auf die Notwendigkeit einer besseren personellen Ausstattung hin, haben eine Verbesserung der Besoldung gefordert und uns vehement für einen besseren Schutz der Kolleginnen und Kollegen eingesetzt. All dies versuchten wir natürlich auch in den Personalvertretungen. Dabei zeigte es sich, wie wichtig es ist, dort vertreten zu sein.
In zahlreichen Mitgliederbetreuungseinsätzen unterstützten wir euch, um die Einsätze etwas freundlicher zu gestalten. Mit Essen, Trinken und einigen Aufmerksamkeiten haben wir eure Laune etwas verbessert.
Die Herausforderungen für 2026
Das neue Jahr wird uns vor neue und weiterhin bestehende Aufgaben stellen. Die Sicherheitslage in Deutschland und Europa bleibt angespannt. Terrorismus, Cyberkriminalität, organisierte Kriminalität und politischer Extremismus erfordern eine leistungsfähige und gut ausgestattete Polizei. Gleichzeitig müssen wir uns den gesellschaftlichen Veränderungen stellen: Die Erwartungen an die Polizei steigen, während gleichzeitig die Bereitschaft, unseren Beruf zu ergreifen, aufgrund der bekannten Belastungen sinkt.
Für die DPolG Sachsen bedeutet das, noch lauter zu werden, noch sichtbarer und noch konsequenter in ihren Forderungen. Die wichtigsten Themen, die uns 2026 beschäftigen werden, sind:
Personalgewinnung und -bindung
Der Personalmangel ist und bleibt eines der drängendsten Probleme der sächsischen Polizei. Wir brauchen nicht nur mehr
Neueinstellungen, sondern müssen auch dafür sorgen, dass erfahrene Kolleginnen und Kollegen im Dienst bleiben und nicht vorzeitig ausscheiden. Dies erfordert eine deutliche Verbesserung der Arbeitsbedingungen, eine faire Besoldung und echte Work-Life-Balance-Angebote.
Besoldung und Wertschätzung
Die finanzielle Anerkennung der Arbeit muss endlich dem Risikound der Verantwortung entsprechen, die wir täglich tragen. Die Tarifverhandlungen und Besoldungsrunden 2026 müssen zu spürbaren Verbesserungen führen. Wir werden nicht lockerlassen, bis unsere Kolleginnen und Kollegen das bekommen, was ihnen zusteht.
Wir werden die Umsetzung der Urteile des Bundesverfassungsgerichts zur verfassungswidrigen Besoldung, die vor allem Berlin betreffen, aufmerksam verfolgen und uns hier in Sachsen aktiv für deren Durchsetzung einsetzen.
Ausstattung und Digitalisierung
Eine moderne Polizeiarbeit braucht moderne Mittel. Die Digitalisierung darf nicht länger ein Schlagwort bleiben, sondern muss endlich Realität werden. Von der Einsatzunterstützung über die Kriminalitätsbekämpfung bis hin zur Verwaltung – überall besteht Nachholbedarf. Gleiches gilt für die persönliche Schutzausrüstung und die Einsatzmittel.
Gesundheit und Fürsorge
Die psychischen und physischen Belastungen im Polizeidienst nehmen zu. Wir brauchen bessere Präventionsangebote, mehr Unterstützung bei der Bewältigung traumatischer Erlebnisse und eine Führungskultur, die Gesundheit ernst nimmt. Die Fürsorgepflicht des Dienstherrn ist kein Lippenbekenntnis, sondern muss gelebt werden.
Gewaltschutz
Jeder Angriff auf Polizeibeamtinnen und Polizeibeamte muss konsequent verfolgt und angemessen bestraft werden. Wir brauchen härtere Strafen für Gewalttäter, einen besseren Schutz vor Gericht und eine gesellschaftliche Debatte darüber, was es bedeutet, wenn die Respektlosigkeit gegenüber staatlichen Autoritäten zur Normalität wird.
Unsere Forderungen an die Politik
An die Landesregierung und alle politisch Verantwortlichen in Sachsen richten wir klare Forderungen für das Jahr 2026:
• Einen ambitionierten Stellennachwuchsplan, der über symbolische Zahlen hinausgeht und tatsächlich spürbare Entlastung bringt.
• Eine deutliche Verbesserung der Besoldung, die den bundesweiten Vergleich nicht scheuen muss und unsere Arbeit angemessen honoriert.
• Massive Investitionen in die Ausstattung, insbesondere in Digitalausstattung, Fahrzeuge und persönliche Schutzausrüstung.
• Ein Sofortprogramm zum Abbau von Überstunden, das nicht nur auf dem Papier existiert, sondern tatsächlich umgesetzt wird.
• Einen umfassenden Gesundheitsschutz, der Prävention, Intervention und Nachsorge gleichermaßen umfasst.
• Eine NullToleranzPolitik bei Angriffen auf Polizeibeamte, mit konsequenter Strafverfolgung und angemessenen Urteilen.
• Echte Mitbestimmung bei allen Entscheidungen, die die Arbeitsbedingungen unserer Kolleginnen und Kollegen betreffen.
Unser Versprechen an euch
Als Deutsche Polizeigewerkschaft Sachsen versprechen wir, auch 2026 mit ganzer Kraft für eure Interessen einzutreten. Wir werden unbequem sein, wo es notwendig ist, konstruktiv, wo es möglich ist, und kompromisslos, wo es um eure Sicherheit und Rechte geht. Wir werden weiterhin den Dialog mit der Politik suchen, aber auch nicht davor zurückschrecken, öffentlichen Druck aufzubauen, wenn dieser Dialog nicht zu Ergebnissen führt. Die Geduld unserer Kolleginnen und Kollegen ist nicht unbegrenzt, und die Probleme dulden keinen weiteren Aufschub. Gleichzeitig laden wir euch alle ein, sich aktiv in die Gewerkschaftsarbeit einzubringen. Besucht unsere Veranstaltungen, nutzt Beratungsangebote, sprecht mit euren
Kreisvorständen und teilt uns euer Anliegen mit. Je mehr wir von euch hinter uns wissen, desto stärker sind wir in den Verhandlungen.
Das betrifft besonders eure Bereitschaft, sich bei den Personalratswahlen in diesem Jahr zu beteiligen. Nicht nur als Wähler, und das ist ganz besonders wichtig, sondern auch als Interessenvertreter für unsere Beschäftigten. Auch hier können wir entscheidende Veränderungen für unsere Beschäftigten mitgestalten. Doch ganz entscheidend ist, bitte geht alle zur Wahl. Es ist nicht nur für uns als Gewerkschaft, sondern in allererster Linie für euch wichtig.
Ein Wort des Dankes
Bevor ich zum Schluss komme, möchte ich einige Worte des Dankes aussprechen. Zunächst gilt mein Dank euch allen, die Tag für Tag, oft unter schwierigsten Bedingungen, für die Sicherheit der Menschen in Sachsen sorgen. Eure Professionalität, En gage ment und Einsatzbereitschaft verdienen höchsten Respekt.
Mein Dank gilt auch allen ehrenamtlich aktiven Gewerkschafterinnen und Gewerkschaftern in den Kreisverbänden und besonders im Landesvorstand. Ohne euer Engagement wäre unsere Arbeit nicht möglich. Sie sind das Rückgrat unserer Organisation. Nicht zuletzt möchte ich auch den Familien und Partnern unserer Kolleginnen und Kollegen danken. Ihr tragt die Belastungen des Polizeidienstes mit, ihr lebt mit der Sorge um eure Liebsten und ihr verzichtet oft auf gemeinsame Zeit. Auch eure Geduld und Verständnis sind ein wichtiger Teil dessen, was unseren Berufsstand ausmacht.
Mit Zuversicht nach vorne Trotz aller Herausforderungen blicke ich mit Zuversicht auf das Jahr 2026. Ich bin fest davon überzeugt, dass wir gemeinsam etwas bewegen können. Die sächsische Polizei hat in ihrer Geschichte schon viele schwierige Zeiten gemeistert, und wir werden auch die aktuellen Herausforderungen bewältigen – wenn wir zusammenstehen
und mit einer Stimme sprechen.
Das neue Jahr bietet auch Chancen: Neue politische Konstellationen können neue Gesprächspartner bedeuten, gesellschaftliche Debatten können zu mehr Verständnis für unsere Arbeit führen, und technologische Entwicklungen können den Dienst erleichtern.
Wichtig ist, dass wir diese Chancen erkennen und nutzen.
Lasst uns gemeinsam dafür arbeiten, dass 2026 ein Jahr wird, in dem sich die Arbeitsbedingungen der sächsischen Polizei spürbar verbessern.
Wir wollen dafür kämpfen, dass unsere Kolleginnen und Kollegen die Anerkennung, die Ausstattung und den Schutz erhalten,
den sie verdienen. Und lasst es uns zeigen, dass wir als Polizei und als Gewerkschaft eine Stimme haben, die gehört wird. Möge das Jahr 2026 ein Jahr werden, in dem wir gemeinsam Erfolge feiern können und in dem sich die Lage für die sächsische Polizei zum Besseren wendet.
Bleibt gesund, sicher und vor allem bleibt uns treu!
Mit gewerkschaftlichen Grüßen
Reinhard Gärtner
Landesredakteur